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Auszug aus dem
Endbericht für das BMBF:
"Mobilität
und Verkehr: Einstellungen
der Bürger im Spiegel von Umfrageergebnissen in
vergleichender sekundäranalytischer Perspektive"
(Inhaltsübersicht ab
S. 9)
Bearbeitet von:
Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie,
INIFES
Haldenweg 23, 86391 Stadtbergen, E-mail:
inifes@t-online,de
Gefördert vom Bundesministerium für Bildung,
Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF),
Förderkennzeichen TV 9526
Die gesamte
Dokumentation kann in gedruckter Fassung unter folgender
Adresse angefordert werden:
E-mail: [email protected]
1. Problem-
und Fragestellungen der Studie
Gute
Verkehrssysteme sind offenkundig von grundlegender
Bedeutung für die Lebensqualität von uns allen. Da
jedoch die Nachfrage nach Verkehr weiter ansteigt und ihr
- meistens - durch steigende PKW-Nutzung entsprochen
wird, geraten die Verkehrssysteme zunehmend unter Druck;
die Folgen sind zusätzliche Verschmutzung, Unfälle und
Staus. Dies führt im Ergebnis dazu, daß die
PKW-Nutzung, anstatt die von uns allen so geschätzte
persönliche Freiheit sich fortzubewegen zu erweitern,
ironischerweise in vielen Städten zu einem Verlust an
Mobilität führt. Hinzu kommt, daß viele Menschen
keinen Zugang zum Pkw haben und daher soziale und
wirtschaftliche Nachteile erleben, wenn sich
Verkehrssysteme im wesentlichen auf die Verfügbarkeit
von Pkws stützen"1
.
1.1. Der
Untersuchungsauftrag und einige Problemkontexte
Basierend auf einem
Antrag vom Juli 1995 beauftragte das Bundesministerium
für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie
(BMBF) Mitte November 1995 das Internationale Institut
für Empirische Sozialökonomie (INIFES) mit der
Durchführung der folgenden Untersuchung
Mobilität
und Verkehr: Einstellungen der Bürger im Spiegel von
Umfrageergebnissen in vergleichender
sekundäranalytischer Perspektive" .
Ein Zwischenbericht
wurde im März 1996 vorgelegt 2 .
Leitziel der
zukünftigen Mobilitätsforschungspolitik des BMBF ist
es, Mobilität dauerhaft zu erhalten bei gleichzeitiger
Vermeidung bzw. deutlicher Verringerung unerwünschter
Verkehrsfolgen sowohl für die Menschen als auch für die
Umwelt. Vor diesem Hintergrund ist auch unsere Studie zu
sehen.
Viele der Frage- und
Problemstellungen im Kontext von Mobilität und Verkehr
sind nicht neu 3.
Dies wird auch deutlich, wenn man die Entwicklung der
automobilen Gesellschaft nachverfolgt 4. Verstehen wollen wir hier - in Anlehnung
an das Verständnis des Sachverständigenrates für
Umweltfragen und auch des Wuppertaler Instituts - unter
Mobilität die Fähigkeit zur Bewegung, also
Beweglichkeit. Gemeint ist somit nicht die
Bewegung/Ortsveränderung an sich - von A nach B:
Mehr Mobilität zu haben bedeutet also, mehr
Optionen für räumliche Bewegungen zu haben - aber nicht
unbedingt, sie auch alle wahrzunehmen" 5.
Unbestreitbar werden
die Diskussionen über Mobilität, Umwelt und Verkehr
seit geraumer Zeit zumeist sehr kontrovers geführt 6, und - was eigentlich problematischer ist -
häufig sehr einseitig 7. Dieses Phänomen findet sich nicht nur in
der Bundesrepublik Deutschland, sondern ist auch in
vielen anderen Ländern festzustellen. Nicht zuletzt
liegt dies am vielfach bewußt-gezielten Herausgreifen
singulärer empirischer Ergebnisse und dann folgend an
deren überhöhter Darstellung. Andere - nicht ins
Konzept passende - Resultate werden (un-)bewußt
ausgeblendet.
Auffällig ist ferner,
daß in den Darlegungen und Diskussionen eher von
Konkurrenzverhältnissen zwischen den verschiedenen
Verkehrssystemen ausgegangen wird, als daß der Gedanke
einer vernetzten und systemischen Betrachtung 8 im Zentrum des Interesses steht. Vielfach
werden dabei dann auch ökologische Aspekte weitgehend
ausgeblendet. Dies jedoch steht im Gegensatz zur in den
letzten Jahrzehnten und Jahren deutlich gestiegenen
Umweltsensibilität in der Bevölkerung 9. Wird dieser Fakt vernachlässigt, so
begibt man sich der Chance, auch unkonventionelle, neue
und vernetzte Lösungen in Betracht zu ziehen und zu
erproben.
Nicht wegzudiskutieren
ist allerdings, daß ein Spannungsverhältnis zwischen
dem menschlichen Bedürfnis und Streben nach Mobilität,
dem real vorhandenen Verkehrsaufkommen, Umweltaspekten
und ökonomischen Gegebenheiten und Notwendigkeiten
besteht 10.
Auch hat es den Anschein, als ob dieses
Spannungsverhältnis in den letzten Jahrzehnten und
Jahren zunehmend gewachsen ist. Um hier
zukunftsfähige Lösungen zu finden, bedarf
es gerade neuer Überlegungen und Ansätze 11. Stichworte hierfür sind beispielsweise
Umweltverträglichkeit und Mobilitätssicherung;
vernetztes und ökologisches Denken und technologische
Innovationen; ein integriertes, in- und miteinander
verzahntes und vernetztes Gesamtverkehrskonzept; die
Entkoppelung von wirtschaftlichem Wachstum und Mobilität
etc.
Einsichtig ist, daß
es bei diesen neuen Ansätzen um weit mehr gehen muß als
lediglich um das technisch Machbare und/oder
den Versuch der Steuerung über Gebote, Verbote oder auch
Zwänge. Es gibt aber ... große Defizite im
Bereich der Erforschung derjenigen subjektiven bzw.
intrapersonellen Entscheidungsmechanismen von Individuen,
die letztlich für die konkrete Auswahl z.B. des
Aktivitätsortes oder des Verkehrsmittels aus einer
bestimmten Menge von Alternativen verantwortlich sind.
Die Verkehrsverhaltensforschung hat sich bislang zu wenig
bemüht, die Erkenntnisse von Nachbardisziplinen, wie
z.B. Soziologie, Psychologie, Sozialpsychologie oder auch
die Zeitbudgetforschung zur Erklärung des
Mobilitätsverhaltens heranzuziehen" 12. Diese Defizite verweisen nicht zuletzt
auch auf die Notwendigkeit, gesicherte Informationen
über die Einstellungen der Bürger zu den vielfältigen
Aspekten von Mobilität, Verkehr und Umwelt zu erlangen.
Langfristige Grundtendenzen, aktuelle Sachverhalte und
auch prospektive Entwicklungen in die Zukunft hinein
müssen dazu ermittelt werden. Ziel der Untersuchung von
INIFES war es insofern, die große Zahl der weit
verstreut vorliegenden Umfrageergebnisse der
verschiedenen einschlägig tätigen Institute zu
ermitteln, zu sammeln, vergleichend auszuwerten und im
synoptischen Überblick zu kommentieren. Das
Schwergewicht lag dabei auftragsgemäß auf
bevölkerungsrepräsentativen Umfragedaten. In geringerem
Maße werden auch empirische Studien auf regionaler,
kommunaler und lokaler Ebene in die Untersuchung
miteinbezogen. Diese haben aber eher exemplarischen
Charakter 13.
Was wir nicht
machen
Explizit
ausgeschlossen sind in unserer Untersuchung die bereits
als klassisch zu bezeichnenden KONTIV-Studien
aus den Jahren 1976, 1982 und 1989 14, die stets im Auftrag des
Bundesministeriums für Verkehr durchgeführt wurden.
Diese jeweils sehr großen schriftlichen
Haushaltsbefragungen (Tagesprotokolle für alle Personen
der ausgewählten Haushalte an Stichtagen) hatten
insbesondere das Ziel, einen Gesamtüberblick über alle
außerhäusigen Verkehrswege von Personen an bestimmten
Stichtag zu erfragen 15. Ähnliche Befragungen zum
Verkehrsverhalten gab es seit 1972 auch in der DDR: Das
System repräsentativer Verkehrsbefragungen,
kurz SrV. Deren Konzeption wurde nach der
Wiedervereinigung modifiziert und an das der
KONTIV-Studien angenähert. Mittlerweile wurden hierzu
weitere zwei Untersuchungen durchgeführt 16.
Ebenfalls nicht
zentraler Gegenstand unserer Studie sind reale, relativ
konkret meß- und ermittelbare Daten über die
Entwicklung des Verkehrsaufkommens,
Jahreskilometerleistungen, Anzahl und Zulassungszahlen
von PKWs und LKWs, beförderte Güter nach Transportarten
etc. 17.
Gleiches gilt auch für Verkehrsprognosen und -szenarien 18.
Einstellungs-Verhaltens-Bias?
Ein bereits uralter
Vorwurf gegenüber der Einstellungs- und Umfrageforschung
ist die Unsicherheit, inwieweit sich die geäußerten
Meinungen und Einstellungen der Probanden auch im realen
Handeln dieser Personen widerspiegeln 19. Dieses Problem eines - potentiellen -
Einstellungs-Verhaltens-Bias kann aber u.E. nicht als
negatives Generalargument gegenüber Untersuchungen wie
die hier vorliegende gewandt werden 20.
Denn so einheitlich ist der Forschungsstand dazu und sind
weitergehend die empirischen Ergebnisse in unserem
Themenfeld nicht. Darüber hinaus ist dann auch stets
nach (möglichen) Gründen für eine mangelnde
Paßgenauigkeit zu suchen, für die es über
den Low-cost-Ansatz und den Kollektivgutcharakter z.B.
von Umwelt hinausgehend zahlreiche weitere gibt 21.
Hinsichtlich dieser
möglichen Realisierungslücke kam
beispielsweise eine relativ aktuelle Untersuchung zu
folgendem Fazit: So ist die Bereitschaft zum
Autoverzicht und zur Zahlung höherer Benzinpreise auch
bei Personen mit hohem Umweltbewußtsein relativ gering
ausgeprägt. Dies läßt vermuten, daß persönliche
Wertkonstellationen, situative Bedingungen sowie
infrastrukturelle Restriktionen der Umsetzung von
Bewußtsein in Handeln entgegenstehen" 22. Schon deutlich vorsichtiger fallen die
zusammenfassenden Würdigungen einer anderen Studie aus:
Auf der Basis des selbstberichteten
Umweltverhaltens konnten wir in der vorliegenden Studie
belegen, daß umweltorientiertes persönliches Verhalten
nicht als ein einheitliches Verhaltensmuster gesehen
werden kann, daß bei der Umsetzung von Umweltbewußtsein
und Umweltwissen in faktisches Verhalten gewisse Lücken
bestehen und daß umweltgerechtes und eigeninteressiertes
Verhalten vielfach noch immer auseinanderfallen" 23.
Eine jüngst
veröffentlichte Arbeit von Six und Eckes widerlegt auf
einer breiten empirischen Basis in einer kritischen
Diskussion von sieben Metastudien zur
Einstellungs-Verhaltens-Relation dann nunmehr auch das
Vorurteil vom fehlenden Zusammenhang:
Stattdessen kann von durchschnittlichen mittleren
Zusammenhängen bei Korrelationen im Bereich von .38 bis
hin zu .79 ausgegangen werden 24. Ein für viele sicherlich überraschendes
Ergebnis.
Daß aber eine
vollständige Konsistenz zwischen Einstellung und
Verhalten weder vorausgesetzt noch erwartet werden kann,
dürfte offenkundig sein. Und dafür gibt es natürlich
auch Gründe, die einleuchtend sind. Spada z.B. benennt
für dieses mögliche Auseinanderklaffen fünf, die
stichwortartig wie folgt umrissen werden können:
Konkurrierende
verhaltensrelevante Einstellungen, z.B.
hinsichtlich der Gewichtung unterschiedlicher
Lebensbereiche;
Ungewohnte/unbekannte
Verhaltensweisen, z.B. aufgrund falscher
Verhaltenssozialisation;
Fehlen
positiver oder auch negativer Verhaltensanreize;
Nichtverfügen
über adäquate Verhaltensmöglichkeiten, also
auch fehlende Kompetenz;
Erfragung
allgemeiner Einstellungen und Beobachtung sehr
spezifischer Verhaltensweisen 25.
Und Schahn benennt zu
dieser Kluft die folgenden, stets
mitzu(be)denkenden Ursachen: Individuelles
Verhalten darf nicht isoliert von politischen,
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
gesehen werden. Der Konsistenz zwischen Einstellung und
Verhalten stehen neben Faktoren, die das Verhalten selbst
betreffen, auch solche entgegen, die auf der Ebene von
Wahrnehmung, Beurteilung und den emotionalen Folgen der
Bedrohung durch Umweltschäden liegen" 26.
Auch die zeitliche
Dimension, die Fristigkeit der Wirkungen und des Tuns
bzw. Nicht-Tuns, gilt es bei diesen Debatten explizit
mitzuberücksichtigen: Da der Mensch keine Maschine
ist, die sich schnell reparieren läßt, sondern eine
komplexe Einheit von Denken, Fühlen und Handeln, sind
Veränderungen im Verhalten, die von heute auf morgen
geschehen, nur in seltenen Fällen zu erwarten" 27. Neue Verhaltensangebote, Anreize,
Rückmeldungen, Informations- und Wissensvermittlung etc.
dürften für eine größere Kongruenz insofern von
zentraler Bedeutung sein. So zeigen denn auch zahlreiche
empirische Untersuchungen ..., daß
Informationsstand und Einstellungen sehr wohl das
Verbraucherverhalten beeinflussen" 28.
Lenelis Kruse,
renommierte Professorin für ökologische Psychologie,
merkte im Vorfeld des unlängst veranstalteten 40.
Psychologen-Kongresses (bei dem die angesprochene
Thematik eine zentrale Bedeutung hatte) dazu folgendes
an: Das Gerede von der Kluft zwischen Wissen und
Handeln ist eine Masche, die mir nicht behagt" 29. Denn verglichen mit anderen europäischen
Ländern ist in der Bundesrepublik Deutschland ihrer
Meinung nach durchaus eine Handlungsbereitschaft gegeben 30. Und tatsächlich zeigt sich auch in der
Realität, daß sich in den letzten Jahren bzw.
Jahrzehnten nicht nur in den Köpfen der Menschen,
sondern auch im Handeln der Bevölkerung etwas verändert
hat 31. Einige Stichwörter mögen hier als
Beispiele genügen: Kat-Autos, FCKW-freie (Haushalts-)
Geräte, energiesparende Geräte, Mülltrennung, hohe
Umweltsensibilität etc. Wir werden darauf noch mehrfach
zurückkommen.
Zum Aufbau des
Berichts
Im nun
folgenden zweiten Abschnitt des Kapitels
1 wird der unserer Untersuchung
zugrundegelegte methodische Ansatz einer
vergleichenden Sekundäranalyse vorgestellt und
im Hinblick auf die Thematik Mobilität und
Verkehr spezifiziert.
Einstellungen
zum Thema Umwelt, deren Entwicklung und
Veränderung über die Zeit hinweg, sind der
Gegenstand von Kapitel 2. Dieses
weite Themenfeld bildet den zwingend
erforderlichen Background, um das Thema
Mobilität und Verkehr in einen größeren
Kontext einbinden zu können. Vor allem anhand
von Zeitreihen werden hier sowohl Einstellungen,
als auch reales Verhalten - vor allem auf der
Basis von (geäußertem) Kaufverhalten -
aufgezeigt und analysiert.
In Kapitel
3 widmen wir uns der Frage- und
Problemstellung, inwieweit unterschiedliche
Verkehrsmittel für unterschiedliche Zwecke,
Lebensbereiche und Tätigkeiten benutzt werden
(können). Auch individuell differente
Präferenzen spielen hierbei eine Rolle. Plakativ
formuliert lautet die Frage hier, wer nutzt bzw.
nutzt nicht und warum welche Verkehrsmittel für
was. Zentrale Bedeutung kommt auch hier wiederum
dem Zeitreihenaspekt zu.
Im Kapitel
4 wird die Analyse auf die kommunale
Ebene verlagert. In der öffentlichen Diskussion
firmiert dies häufig vor allem unter dem
Stichwort MIV versus ÖPNV.
Problematisiert wird diese Thematik anhand
einiger kommunaler Fallbeispiele bzw.
Verkehrsverbünde.
Das Kapitel
5 beschäftigt sich mit den Sichtweisen
der bundesdeutschen Bevölkerung zu alternativen
Antriebstechnologien bzw. Verkehrsmitteln, sowie
mit der zugemessenen Rolle des Staates und auch
der (Selbst-)Verpflichtung der Industrie. Da
diese Entwicklungen und Fragestellungen relativ
neuen Datums sind, muß der Zeitreihenaspekt hier
etwas in den Hintergrund treten. In stärkerem
Umfang als bislang und zentraler wird somit der
Vergleich über die Ergebnisse verschiedener
Institute, Umfragen, Studien und Indikatoren
hinweg sein.
Die Rolle des
Autos als Umweltsünder steht im
Zentrum von Kapitel 6 - aber
auch dazu gesehene Alternativen und
Korrekturmöglichkeiten werden
thematisiert. Auch das Fahrrad tritt hier wieder
auf den Plan - nicht zuletzt unter dem Focus,
welche Verkehrsmittel im Nahverkehr welche Rolle
spielen (sollen).
In Kapitel
7 wollen wir der Frage nachgehen, ob und
wie sich über die Zeit hinweg Einstellungen und
auch reale Verhaltensweisen der Bevölkerung in
bezug auf Mobilität und Verkehr verändert
haben. Dabei geht es hier weitergehend um die
Erfassung/Beurteilung von Bedingungen, unter
denen die Bevölkerung bereit wäre, das eigene
Verhalten zu ändern. Welche Voraussetzungen und
Kriterien werden hierfür also als relevant und
zentral angesehen?
Während es im
vorhergehenden Kapitel um freiwillige
Einschränkungen und Verzicht seitens der
Bevölkerung ging, stehen in Kapitel 8
die Einstellungen der Bevölkerung gegenüber
verkehrspolitischen Eingriffen mit Belastungs-
und/oder Zwangscharakter im Mittelpunkt.
Stichworte hier sind beispielsweise Tempo 30,
Parkgebühren, Innenstadtzufahrten, ÖPNV zu
Lasten des PKWs fördern etc.
Im Kapitel
9 öffnet sich der Blickwinkel wieder,
wenn es um Verkehrsmittel und -systeme mit bzw.
in Zukunft geht. Was denkt die Bevölkerung der
Bundesrepublik dazu, was wünscht sie sich und
was hält sie für realistisch.
In Kapitel
10 wird ein spezifischer Aspekt aus der
Umfrageforschung thematisiert, der insbesondere
häufig dann zum Tragen kommt, wenn es um die
Zukunft geht. Gemeint und Thema ist hier die
sogenannte Willingness to pay. Salopp
formuliert geht es darum, was man es sich
persönlich kosten lassen würde, um sein
individuelles Verkehrs- und Umweltverhalten nicht
verändern zu müssen. Oder aber, was man
persönlich bereit wäre zu zahlen, um
Veränderungen/Verbesserungen herbeizuführen.
Im Kapitel
11 wird den Bundesdeutschen der
internationale Spiegel vorgehalten. Dort wird der
Frage nachgegangen, wie deren Einstellungen zu
Mobilität, Umwelt und Verkehr im internationalen
Kontext zu verorten sind.
Das
abschließende Kapitel 12
enthält eine zusammenfassende Wertung der
Ergebnisse unserer Analysen. Ferner wird der
Versuch unternommen, einen kurzen Ausblick
darüber hinaus zu machen.
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Fußnoten:
Kinnock, N., Vorwort, in: Europäische
Kommission, Das Bürgernetz. Wege zur Nutzung des
Potentials des öffentlichen Personenverkehrs in
Europa, Grünbuch, Brüssel, Luxemburg 1996, S.
3.
Vgl. Jaufmann, D., Mobilität und
Verkehr: Einstellungen der Bürger im Spiegel von
Umfrageergebnissen in vergleichender
sekundäranalytischer Perspektive,
Zwischenbericht an das BMBF,
Stadtbergen/Leitershofen 1996 (März).
Vgl. z.B.: Buchanan, C. u.a., Traffic in
Towns. A study of the long term problems of
traffic in urban areas. Reports of the Steering
Group and Working Group appointed by the Minister
of Transport, London 1963. Bereits auf dem
Klappentext finden sich zu unserem Thema die
folgenden bemerkenswerten und durchaus nicht
antiquiert klingenden Aussagen: The
problems posed by the rapid growth of motor
traffic are amongst the most baffling which face
modern society, especially in the crowded
conditions of towns. No country in the world yet
seems to have found the answers. This volume
contains the reports of the Steering and Wor-king
Groups set up in 1961 by the Minister of
Transport to study the subject. They attempt to
foresee the full development of motor transport,
to discern the problems arising, and to show what
in principle can be done about them. The Reports
show that the planning of roads and parking
facilities is quite inseparable from the planning
of the activities which cause traffic to
flow".
Vgl. zur Entwicklung in Deutschland im
aktuellen Überblick: Kuhm, K., Das eilige
Jahrhundert. Einblicke in die automobile
Gesellschaft, Hamburg 1995; Klenke, D.,
Freier Stau für freie Bürger". Die
Geschichte der bundesdeutschen Verkehrspolitik
1949-1994, Darmstadt 1995.
Petersen, R., Schallaböck, K.O., Mobilität
für morgen. Chancen einer zukunftsfähigen
Verkehrspolitik, Berlin, Basel, Boston 1995, S.
10; vgl. dazu auch: Bastian, T., Mobilität: Der
Krieg gegen die Zeit, in: Universitas, 46(1991)6,
S. 517 ff.
Vgl. dazu z.B. die
Beiträge
in: Sommer, Th. (Hrsg.), Wie teuer ist uns die
Natur? Ökonomie und Ökologie an der Schwelle
zum 21. Jahrhundert, ZEIT-Punkte Nr. 6, Hamburg
1995; Hilgers, M., Psychische Widerstände gegen
eine verkehrspolitische Wende, in: Universitas,
49(1994)11, S. 1055 ff.
Auch eher ideologisch gefärbte Aussagen,
wie z.B. die folgende, finden sich mitunter:
Nur wenn die öffentlichen Verkehrsmittel
sicherer, bequemer und flächendeckender werden,
wird der Automobilist umsteigen. Denn wenn wir
die freie Wahl des Verkehrsmittels abschaffen,
gelangen wir zwangsläufig zu einer
Planwirtschaft mit allen ihren negativen
Folgen" (Wulff, H., Die Verantwortung der
Automobilhersteller und der Importeure in der
Gesellschaft. Verkehrspolitik, Ökonomie und
Ökologie auf dem Prüfstand, Vortrag anläßlich
des 2. Automobilwirtschaftlichen Symposiums der
Universität Bamberg am 21. Juni 1995, hekt. Ms.,
S. 12).
Klassisch hierzu bereits:
Vester, F., Ausfahrt Zukunft. Strategien für den
Verkehr von morgen. Eine Systemuntersuchung,
München 19905.
Vgl. z.B.: Billig, A., Ermittlung des
ökologischen Problembewußtseins der
Bevölkerung, UBA-Texte 7/94, Berlin 1994.
Differenzierte Ergebnisse zur zeitlichen
Entwicklung über verschiedene Bereiche hinweg
finden sich im Kapitel 2.
Vgl. z.B.: Seifried, D., Gute Argumente:
Verkehr, München 19934.
Vgl. dazu aktuell z.B.:
BUND,
MISEREOR (Hrsg.), Zukunfsfähiges Deutschland.
Ein Beitrag zu einer global nachhaltigen
Entwicklung, Basel, Boston, Berlin 1996,
insbesondere S. 153 ff. und 305 ff. Konkrete
Praxisbeispiele finden sich bei: von Weizsäcker,
E.U., Lovins, A., Lovins, L.H., Faktor vier.
Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch,
München 1995.
Hautzinger, H., Pfeiffer, M.,
Tassaux-Becker, B., Mobilität. Ursachen,
Meinungen, Gestaltbarkeit, Studie des IVT
Heilbronn, Heilbronn 1994, S. 117.
Aufgrund der Vielzahl und insbesondere auch der
Heterogenität dieser kleinräumigen Studien,
Maßnahmen usw. ist eine sozusagen
flächendeckende Erfassung und
Auswertung für das Gebiet der Bundesrepublik
Deutschland - oder gar darüber hinausgehend - im
Rahmen unserer Untersuchung weder intendiert noch
leistbar. Die daraus zu gewinnenden Einsichten
und strategierelevanten Potentiale wären aber
sicherlich interessant und hilfreich.
Vgl. dazu insbesondere Kapitel 4 dieses Berichts.
Vgl. für 1989: EMNID-Institut, KONTIV 1989.
Tabellenteil, Bielefeld 1991; Dies., KONTIV 1989.
Anlagenband, Bielefeld 1990; Dies., KONTIV 1989.
Bericht zu Methode, Bielefeld 1990.
Vgl. zu einer kritischen Auseinandersetzung mit
diesen Studien: Institut für sozialökologische
Forschung, KONTIV-Mängelanalyse, 3.
Arbeitsbericht im Rahmen des Projektes
Mobilitätsleitbilder und Verkehrsverhalten,
Frankfurt am Main 1995 (Januar). Zu einer
tendenziell unkritischen weiteren Verwendung
dieser Daten vgl.: Hautzinger, H., Pfeiffer, M.,
Tassaux-Becker, B., Mobilität ..., a.a.O.
Methodische Aspekte des Vergleichs und der
Vergleichbarkeit der drei KONTIV-Erhebungen
werden thematisiert in: Kloas, J., Kunert, U.,
Über die Schwierigkeit, Verkehrsverhalten zu
messen, in: Verkehr und Technik, 47(1994)3 und 5,
S. 91 ff. und 187 ff.
Vgl. dazu: Institut für Verkehrsplanung und
Straßenverkehr, Lehrstuhl Verkehrs- und
Infrastrukturplanung, Technische Universität
Dresden, Entwicklung des Stadtverkehrs in den
neuen Bundesländern - eine Auswertung des
Systems repräsentativer Verkehrsbefragungen SrV
1987, 1991 und 1994, Forschungsbericht Fe-Nr. 90
427/94, Dresden 1995 (Oktober).
Vgl. dazu insbesondere:
Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Statistisches
Jahrbuch 1996 für die Bundesrepublik
Deutschland, Stuttgart 1995, S. 307 ff. und 712;
Bundesministerium für Verkehr (Hrsg.), DIW
(Durchführung), Verkehr in Zahlen 1996, Bonn
1996; Umweltbundesamt, Statistisches Bundesamt
(Hrsg.), Umweltdaten Deutschland 1995, Berlin,
Wiesbaden 1995. Ferner: Enquete-Kommission
Schutz der Erd-atmosphäre" des
Deutschen Bundestages (Hrsg.), Mehr Zukunft für
die Erde - Nachhaltige Energiepolitik für
dauerhaften Klimaschutz, Schlußbericht der
Enquete-Kommission Schutz der
Erdatmosphäre" des 12. Deutschen
Bundestages, Bonn 1995, S. 1258 ff. Zur
Entwicklung der Mobilität im Zeitraum 1976-1994
vgl.: Kloas, J., Kuhfeld, H., Entwicklung des
Personalverkehrs in der Bundesrepublik
Deutschland, in: DIW Wochenbericht, 63(1996)37,
S. 614 ff.
Vgl. hierzu z.B.: Deutsche Shell AG, Gipfel der
Motorisierung in Sicht. Stark sinkende
Emissionen. Szenarien des PKW-Bestands und der
Neuzulassungen in Deutschland bis zum Jahr 2020,
Aktuelle Wirtschaftsanalysen Heft 26, Hamburg
1996. Einen etwas anderen Ansatz wählen:
Philippi, Ch., Steger, U., Zukunft Auto -
Szenarien der Mobilität, DIE STERN BIBLIOTHEK,
Hamburg 1994. Vgl. dazu auch: Kloas, J., Kuhfeld,
H., Personenverkehr in der Bundesrepublik
Deutschland im Jahr 2010. Ergebnisse einer
Status-quo-Projektion, in: Verkehr und Technik,
48(1995)1 und 2, S. 3 ff. und 46 ff. Für Europa
vgl. z.B.: Voigt, U., Verkehr in Europa: Trotz
Wachstumsminderung noch hohe Zunahmen im
Straßenverkehr, in: DIW Wochenbericht,
62(1995)37, S. 635 ff.
Vgl. zu einer Untersuchung verschiedener bereits als
klassisch zu bezeichnender Studien im
Überblick: Meinefeld, W., Einstellung und
soziales Handeln, Reinbek 1977.
Vgl. dazu beispielweise:
Franzen,
A., Trittbrettfahren oder Engagement?
Überlegungen zum Zusammenhang zwischen
Umweltbewusstsein und Umweltverhalten, in:
Diekmann, A., Franzen, A., Kooperatives
Umwelthandeln. Modelle, Erfahrungen, Massnahmen,
Zürich 1995, S. 133 ff.
Vgl. dazu z.B.: Praschl, M., Risser, R.,
Verkehrsmittelwahl: Gute Vorsätze und Realität,
in: Zeitschrift für Verkehrssicherheit,
41(1995)1, S. 23 ff.
Billig, A., Ermittlung des ökologischen
Problembewußtseins der Bevölkerung, UBA-Texte
7/94, Kurzfassung, Berlin 1994.
Diekmann, A., Preisendörfer, P.,
Persönliches Umweltverhalten. Diskrepanzen
zwischen Anspruch und Wirklichkeit, in: Kölner
Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie, 44(1992)2, S. 248. Vgl. dazu
auch: Wöhler, K., Umweltbewußtsein und
Umweltverhalten von Touristen, in: Zeitschrift
für Umweltpolitik & Umweltrecht, 16(1993)3,
S. 311 ff.
Vgl. Six, B., Eckes, Th., Metaanalysen in
der Einstellungs-Verhaltens-Forschung, in:
Zeitschrift für Sozialpsychologie, 27(1996)1, S.
7 ff.
Vgl. Spada, H., Umweltbewußtsein:
Einstellung und Verhalten, in: Kruse, L.,
Graumann, C.-F., Lantermann, E.-D. (Hrsg.),
Ökologische Psychologie. Ein Handbuch in
Schlüsselbegriffen, München 1990, S. 626 f.
Schahn, J., Die Kluft zwischen Einstellung
und Verhalten beim individuellen Umweltschutz,
in: Ders., Giesinger, Th. (Hrsg.), Psychologie
für den Umweltschutz, Weinheim 1993, S. 47.
Siebenhüner, B., Umweltbewußtsein -
weitergedacht!, WZB-Paper FS II 96-402, Berlin
1996, S. 103.
Mettler-Meibom, B., Wichmann, B.,
Informationsstand und Einstellung als
Verhaltensregulative, in: VDI, VDE, FfE, IfE,
Socialdata (Hrsg.), Einfluß des
Verbraucherverhaltens auf den Energiebedarf
privater Haushalte, Berlin, Heidelberg, New York
1982, S. 87.
Kruse, L., zitiert in: Nagler-Springmann,
S., Psychologen entdecken die Ökologie als
Aufgabe, in: Süddeutsche Zeitung vom
14./15.09.1996, S. V1/1.
Vgl. ebenda.
Die Rundumkritik von Hautzinger et al.
(z.B.: Auch ist es problematisch, die Ziele
der Verkehrsplanung an den in Umfragen
geäußerten Meinungen zu orientieren, da diese
Meinungen vom realen Verhalten grundlegend
abweichen und mithin die Gefahr besteht, zu
unrealistischen, weil nicht erreichbaren
Zielvorgaben zu kommen") halten wir insofern
für überzogen und auch falsch. Diese Sichtweise
und Argumentation zieht sich aber wie ein roter
Faden durch die gesamte Studie (vgl. Hautzinger,
H., Pfeiffer, M., Tassaux-Becker, B., Mobilität
..., a.a.O.). Ganz jenseits dessen stellt sich
die - zugegebenermaßen rhetorische - Frage,
welcher Planer, Administrator oder auch Politiker
dies in solcher Ausschließlichkeit tut?
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